Über kaum eine andere Therapie wird in der Öffentlichkeit so viel geredet wie über die Chiropraktik und die Osteopathie. Viel Sachliches ist nicht dabei. Die Diskussion wird beherrscht von Unwissenheit und Polemik. Leider sind es nicht nur sensationslustige Journalisten, die sich hier besonders hervortun, sondern auch einige Vertreter der Ärzte- und Heilpraktikerschaft, von denen man eigentlich erwartet, dass sie nur Dinge kommentieren, die sie auch beurteilen können.

 

Zu der ganzen dummen Diskussion nur soviel: Mit Osteopathie kann nicht jede Krankheit behandelt werden, und sie ist auch keine ausschließlich sanfte Therapie. Bei der Chiropraktik leiern keine Gelenke aus, und wenn Patienten nach einer chiropraktischen Behandlung einen Schaden davontragen, dann hat nicht die Therapie sondern der Therapeut versagt.

 

Zunächst mal die begriffliche Klarstellung:

Chiropraktik, Chirotherapie, Osteopathie und manuelle Therapie bedeuten - vereinfachend ausgedrückt - alle dasselbe, nämlich das Therapieren mit den Händen. Die unterschiedlichen Begriffe sind hauptsächlich davon abhängig, wer es macht und erst in zweiter Linie wie es gemacht wird.

 

Die Tradition des Heilens mit den Händen ist wahrscheinlich so alt wie die Menschheit und wurde zu allen Zeiten praktiziert. Die dabei verwendeten Techniken waren teils ganz sanft wie z.B. bei energetischen Massagen oder ganz derb, wie die früher üblichen Bezeichnungen Knochensetzer oder Knochenbrecher vermuten lassen. Die Bezeichnungen, die wir heute verwenden, haben sich erst in den letzten ca. 150 Jahren herausgebildet. Da entwickelten sich ziemlich gleichzeitig zwei Richtungen: die Chiropraktik und die Osteopathie. Lange Zeit bestand der wesentliche Unterschied darin, dass die Chiropraktik sich mehr mit dem direkten Mobilisieren und Manipulieren gelenkiger Knochenverbindungen beschäftigte und die Osteopathie mehr mit dem indirekten Mobilisieren der Gelenke über die Muskeln und Bänder. Inzwischen haben beide Richtungen ihre Techniken aber sehr stark differenziert, so dass Chiropraktiker heute auch selbstverständlich Weichteiltechniken beherrschen und Osteopathen gleichermaßen Impulstechniken (was laienhaft immer als „einrenken“ bezeichnet wird). Es kann Ihnen also heute durchaus passieren, dass Sie mit Ihrem Hexenschuss heute zu einem Chiropraktiker gehen und morgen zu einem Osteopathen und beide behandeln Sie in gleicher Weise.

 

Bezüglich der Differenzierung ist die Osteopathie allerdings noch weiter gegangen. Während die Chiropraktik heute ausschließlich eine Therapie für den Bewegungsapparat ist, wurde die Osteopathie wesentlich weiter entwickelt und teilt sich heute in drei große Bereiche,

· die Strukturelle oder Parietale Osteopathie. Dieser Bereich beschäftigt sich mit dem Bewegungsapparat und ist der Chiropraktik sehr ähnlich.

· die Viszerale Osteopathie. Dieser Bereich beschäftigt sich mit den inneren Organen. Hier wird im wesentlichen versucht, die Lage und Eigenbewegung der Organe sowie ihre Beweglichkeit gegeneinander zu beeinflussen.

· die Craniosacrale Osteopathie. Dieser Bereich beschäftigte sich ursprünglich mit dem Liquor cerebro-spinalis, der „Hirnflüssigkeit“ und den Strukturen, die das Gehirn und das Rückenmark umgeben, also mit dem Schädel und der Wirbelsäule. Inzwischen wird aber auch hier sehr differenziert mit anderen Geweben gearbeitet.

 

Die Begriffe Chirotherapie und manuelle Therapie sind neueren Datums. Ärzte benutzen seit einigen Jahren den Begriff Chirotherapie, um sich von den Heilpraktikern und den Chiropraktoren amerikanischer Prägung zu unterscheiden, welche beide den Begriff Chiropraktik benutzen. Inhaltlich gibt es keinen Unterschied. Die Manuelle Therapie ist eine  Zusatzqualifikation für Physiotherapeuten, die sowohl Elemente aus der Chiropraktik als auch aus der Osteopathie beinhaltet.

 

Nachfolgend einige Tipps zum Umgang mit Therapeuten:

· Ein Therapeut, auf dessen Praxisschild die Therapiebezeichnung „Chiropraktik“, „Chirotherapie“, „Osteopathie“ oder „Manuelle Therapie“ steht, sollte die jeweilige Therapie auch beherrschen. Haben Sie keine Hemmung, nach der entsprechenden Ausbildung des Therapeuten zu fragen. Fragen Sie auch ruhig, wann er das letzte Mal eine diesbezügliche Fortbildung besucht hat.

· Lassen Sie sich vor und auch während der Behandlung genau erklären, was der Therapeut zu tun gedenkt oder gerade tut.

· Wenn Sie Angst vor einer bestimmten Behandlungstechnik haben, sagen Sie es. Der Therapeut sollte immer mehrere Behandlungsalternativen haben.

Naturheilpraxis

 

Ralf Severin