An sich ist nichts gut noch böse.

Erst das Denken macht es dazu.

(William Shakespeare)

 

Unser Selbstbild unterscheidet sich häufig von dem Bild, das andere von uns haben. Es hängt allein von unserer Einstellung, unserem Blickwinkel ab, welchen Wert ein Mensch für uns hat.

 

So kann ein Mensch, der sich selbst für gradlinig hält, aus der Sicht anderer für stur gehalten werden, ein Mensch, der meint er wäre anpassungsfähig, ist für andere vielleicht willensschwach, ein Mensch, der stolz darauf ist, dass er Ideale hat, ist für andere vielleicht unrealistisch, ein Pragmatiker phantasielos, ein visionärer Mensch ein Träumer.

 

Am einen Ende der Palette sind die Menschen mit einer durch und durch positiven Einstellung, die „Schönredner“. Sie belasten sich erst gar nicht mit irgendwelchen „hässlichen“ Dingen und berauben sich selbst mit dieser Einstellung einer ganz wichtigen Erkenntnis, nämlich der Erfahrung der Grenzen ihrer Möglichkeiten, die uns in der Regel in Gestalt von Krisen begegnen.

 

Am anderen Ende sind die Menschen mit einer völlig negativen Haltung, die „Miesmacher“. Es gibt keinen Anlass, dem sie nicht das Schlechte abgewinnen können. Mit schlafwandlerischer Sicherheit steuern sie bei der Besichtigung des schönen Rokokoschlosses auf die einzige Stelle der Außenmauer zu, an der der Putz abbröckelt. Sie haben sofort eine Fülle von Argumenten parat, warum etwas schief gehen muss. Wenn es dann schief geht, haben sie „es ja gleich gewusst“. Diese Menschen berauben sich der wichtigen Erfahrung, dass in jeder Krise der Same für neue, schöne Entwicklungen liegt.

 

Während der erste Typ Angst hat, unbequeme Wege zu gehen, hat der zweite Angst vor Enttäuschung. Angst hat aber etwas mit Enge zu tun. Das Leben dieser Menschen ist eng. Es bleibt ihnen verwehrt, sich die ganze Fülle, die unser Dasein bietet, bewusst zu machen. Glücklich werden beide nicht. Häufig merken sie nicht, welcher Täuschung sie unterlegen sind. Wenn doch, denken sie dann aber meistens, eine Änderung ihrer Einstellung sei nicht mehr möglich, weil sie in ein bestimmtes familiäres oder berufliches Umfeld eingebunden sind, weil sie noch zu jung oder schon zu alt sind, zu dünn oder zu dick, zu groß oder zu klein, weil sie nun mal einfach so sind oder weil sie ... (Die Liste der Ausreden kann unendlich fortge­setzt werden).

 

Alle Zeiten, die glücklichen wie die leidvollen, sind wichtige Qualitäten unseres Lebens, in denen wir Erfahrungen machen können, die zur Entwicklung und Reifung unserer Persönlichkeit beitragen. Wichtige Voraussetzung dafür ist jedoch, dass wir die Dinge, die auf uns zukommen, auch wirklich er-leben und nicht nur Ausschnitte wahrnehmen. Denn ob wir aus einer Sache eine positive oder eine negative Erfahrung ziehen, ob wir aus den Erfahrungen etwas lernen oder nicht, entscheiden wir letztlich selbst.

 

Die Astrologie, insbesondere die Analyse des Geburtshoroskopes, bietet nun die Möglichkeit, die Muster, die unseren Verhaltensweisen und Ansichten zugrunde liegen, zu hinterleuchten. Das Horoskop beinhaltet unseren gesamten Lebensplan von der Geburt bis zum Tod. Es beschreibt die „Lernaufgaben“, die wir in diesem Leben zu erfüllen haben und die notwendigen Voraussetzungen, die uns zur Verfügung stehen, um an diesen Aufgaben zu arbeiten, wie Charakteranlagen, Vorlieben und Abneigungen, Stärken und Schwächen. Außerdem beschreibt es die Lebensbereiche, in denen die Aufgaben „bearbeitet“ werden. Es versetzt uns in die Lage, uns selbst richtig einzuschätzen, so dass wir uns unserer Stärken voll bewusst werden können, dass wir aber auch bereit sind, unsere Schwächen als solche zu akzeptieren. Denn nur das umfassende Verständnis der eigenen Persönlichkeit führt zu Selbst-Bewußt­Sein.

 

Die Zeit verwandelt uns nicht,

sie entfaltet uns nur.

(Max Frisch)

Ein Arzt, der nichts von Astrologie versteht, ist eher ein Narr zu nennen, denn ein Mediziner (Paracelsus)

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Ralf Severin